Wenn im Verein von „normaler“ Munition die Rede ist, ist fast immer das Vollmantelgeschoss gemeint. Es ist die Bauform, mit der der weitaus größte Teil aller Sportschüsse abgegeben wird, und das aus lauter unspektakulären Gründen: Es ist formstabil, es ist günstig, es führt zuverlässig zu, und es verbleit den Lauf nicht.
Aufbau
Zwei Bauteile, mehr nicht. Innen ein Kern aus Blei, der die Masse liefert; außen ein Mantel aus Tombak — einer Kupfer-Zink-Legierung — oder einem vergleichbaren Werkstoff, der die Form hält und die Führung im Lauf übernimmt. Der Mantel wird über den Kern gezogen, weshalb er an einer Seite offen bleibt.
Genau diese Öffnung ist das entscheidende Detail, und sie unterscheidet die beiden Varianten. Beim klassischen FMJ liegt sie am Geschossboden: Dort ist der Bleikern nicht abgedeckt. Beim TMJ wird auch der Boden vom Mantel umschlossen, das Geschoss ist rundum geschlossen. Von außen ist der Unterschied kaum zu sehen, in der Wirkung auf dem Stand ist er erheblich.
Warum der Geschossboden der wichtigste Punkt ist
Man würde vermuten, dass Blei vor allem dort freigesetzt wird, wo das Geschoss auf das Ziel trifft. Für die Belastung des Schützen gilt das nicht. Der kritische Moment ist der Schuss selbst: Die heißen Pulvergase treffen mit hoher Temperatur direkt auf den Geschossboden, und wo dort blankes Blei liegt, wird ein Teil davon abgetragen und mit den Gasen aus dem Lauf getragen.
Auf einem gut belüfteten Freistand fällt das kaum ins Gewicht. Auf einem geschlossenen Stand mit begrenztem Luftwechsel ist es ein Arbeitsschutzthema, das ernst genommen wird — sowohl für die Schützen als auch für das Standpersonal, das dort täglich arbeitet. Aus diesem Grund schreiben zahlreiche Anlagen vollummantelte Geschosse vor oder empfehlen sie nachdrücklich.
Für Wiederlader hat das eine unmittelbare Konsequenz: Wer preiswerte Bleigeschosse oder klassische FMJ-Geschosse in größerer Menge lädt, klärt vorher, ob sie auf dem Heimatstand überhaupt verwendet werden dürfen. Die Antwort steht in der Standordnung, nicht im Katalog des Komponentenhändlers.
Im Sport
Für Training und Präzisionsschießen auf Papier und Stahl ist das Vollmantelgeschoss die sachlich richtige Wahl. Es deformiert nicht, was auf der Scheibe keinen Nachteil bedeutet, und es kostet einen Bruchteil dessen, was Matchgeschosse verlangen. Bei den Schusszahlen eines regelmäßigen Trainingsbetriebs ist dieser Unterschied der wichtigste Einzelfaktor im Munitionsbudget.
Seine Grenze liegt auf der Distanz. Ein FMJ-Geschoss ist aerodynamisch weniger günstig geformt als ein Hohlspitz-Matchgeschoss in HPBT-Bauart, verliert also schneller Geschwindigkeit und wird stärker vom Wind versetzt. Auf der klassischen 25- oder 50-Meter-Bahn ist das nicht messbar, auf mehreren hundert Metern deutlich. Die Faustregel im Verein lautet deshalb: Vollmantel für alles, was Wiederholung und Technik trainiert; Matchgeschoss für alles, was auf Distanz gewertet wird.
Ein zweiter, oft unterschätzter Vorteil betrifft Selbstladewaffen. Die glatte, geschlossene Spitze ohne freiliegendes Blei und ohne Kanten gleitet über die Zuführrampe, ohne zu greifen. Wer Zuführstörungen untersucht, findet die Ursache selten bei FMJ-Munition — sehr viel häufiger bei Geschossformen mit offener oder kantiger Spitze.
Beim Wiederladen
Als Komponente ist das Vollmantelgeschoss der unkomplizierteste Fall. Die Spitze ist geschlossen und maßhaltig, weshalb sich die Gesamtlänge über sie messen lässt — anders als bei Hohlspitz- und Teilmantelgeschossen, deren Spitzenform fertigungsbedingt streut. Der Setzstempel greift an einer definierten Fläche an, und die Gefahr, das Geschoss beim Setzen zu verformen, ist gering.
Zu beachten bleibt der Crimp. Ein bemanteltes Geschoss ist härter als ein Bleigeschoss und lässt sich weniger nachgiebig einschnüren; ein zu kräftiger Crimp verformt hier eher den Hülsenmund als das Geschoss. Bei randlosen Pistolenhülsen, die über den Hülsenmund im Patronenlager anliegen, ist das ein realer Fehler mit Auswirkung auf den Druckaufbau. Details dazu stehen auf der Seite Ladeleiter, Setztiefe und Crimp.
Ein zweiter Punkt betrifft die Geschossform. Vollmantelgeschosse gibt es mit runder Spitze, mit abgeflachter Spitze und in konischer Ausführung, und diese Unterschiede wirken sich in Selbstladewaffen unmittelbar auf die Zuführsicherheit aus. Eine Form, die in der einen Waffe zuverlässig über die Rampe gleitet, kann in der nächsten hängenbleiben. Wer eine neue Geschossform einsetzt, prüft sie deshalb zuerst von Hand im Magazin und in der Waffe, bevor er eine größere Serie fertigt.
Verbindlich sind auch hier ausschließlich die aktuellen Ladedaten der Komponentenhersteller. Ein Wechsel zwischen FMJ und TMJ bei sonst gleicher Ladung ist keine Kleinigkeit: Die Geschosse unterscheiden sich in Gewicht und Reibungsverhalten. Der Ablauf im Ganzen steht im Themenfeld Wiederladen, die weiteren Bauarten in der Übersicht der Geschosstypen.